Historische Plätze…


…im Allgemeinen und beim Bezug zum Handwerk im Besonderen haben für mich irgendwie etwas Magisches. Ich bewundere die handwerkliche Meisterschaft, mit der sie geschaffen wurden.  Wie bereits vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten Naturgesetze klug angewandt und damit Ergebnisse erreicht wurden, die wir heute aus der täglichen Praxis teilweise gar nicht mehr kennen, versetzt mich immer wieder in ungläubiges Staunen.

Einen solchen Ort zu besuchen, hatte ich im letzten Dezember Gelegenheit. Die Hammermühle Bautzen in der Bautzener Seidau. Die Geschichte der Mühle ist höchst interessant. Offensichtlich hat ihre kleine Größe dazu geführt, dass das historische Interieur auch in sozialistischen Zeiten weitestgehend erhalten blieb.

„Die Geschichte der Hammermühle Bautzen, heute gleichzeitig Mahl-, Öl- und Senfmühle, noch immer angetrieben von der Kraft der Spree, geht zurück bis in das 15. Jahrhundert. Sie wurde im Jahre 1493 von der Stadt Bautzen als Drahtmühle erbaut. Im Jahr 1740 wurde die Mühle um ein Eisenhammerwerk erweitert.“ (Quelle: Internetseite der Hammermühle)

Die Transmissionstechnik, mit der die Kraft vom Wasserrad auf die Mahlwerke und die Transportbänder übertragen wurde, ist gewaltig und faszinierend zugleich.

Da die Mühle direkt am Spreelauf gelegen ist und die Gefahr von Hochwasser regelmäßig besteht, stehen die Mahlwerke/Walzenstühle im Erdgeschoss auf einem Ständerboden.

Die Plansiebe sind an Tragbalken schwingend aufgehängt und werden mittels einer Kurbelwelle (Exzenter) in Schwingungen gesetzt. Die Antriebsscheiben sind mit Gegengewichten ausgerüstet, die zu einem ruhigen Lauf verhelfen.

Durch die Schwingungen, erzeugt vom Exzenterantrieb, werden die Siebe bewegt und das Mahlgut über sie geführt und so stufenweise nach dem Ausmahlgrad selektiert.

Über diesen „Paternoster“ wird das Mehl/das Schrot aus den unteren Etagen der Mühle zu den Sieben transportiert.

Ich finde, dass man in früheren Zeiten nicht nur die Funktionalität der Maschinen im Blick hatte, sondern diesen – wie auch den Bauten, in denen sie standen – eine gewisse Ästhetik verlieh. In der Hammermühle gibt es eine Reihe von Wandbildern, die die Mühle und die Arbeit darin darstellen. „Kultur am Arbeitsplatz“ war den damaligen Betreibern offensichtlich bereits wichtig.

„100 Jahre Hammermühle und es geht immer weiter …

Im Jahre 1964 starb Oswald Heinke im 95. Lebensjahr und die Mühle ging in das Eigentum der Familie Koitzsch über. 1988 wurde das 100-jährige Bestehen der Hammermühle gefeiert. Der Enkel von Herrmann Koitzsch, Stephan Hierl, übernahm die Mühle im Jahre 2003. In den folgenden Jahren wurde die Mühle grundhaft saniert und fehlende Technik ergänzt. Neben erstklassigen Ölen und Senfsorten wird hier auch die Siegelerde „Lusatia“ produziert. Und so arbeitet die mittlerweile sechste Generation in der Hammermühle Bautzen „… mit dem festen Willen das Ererbte zu erhalten.“ (Ausspruch aus der Festrede H. Koitzschs zum 100-jährigen Bestehen der Hammermühle, 1988). “ (Quelle: Internetseite der Hammermühle)

Diesen Spruch dürfte heute manch einer gern mal anwenden!

Am Osterwochenende gibt es in der Hammermühle wieder allerhand Aktivitäten zu denen viele Gäste willkommen sind und man sich vor Ort einen persönlichen Eindruck verschaffen kann. Ich empfehle das!

Ein frohes Osterfest wünsche ich und verbleibe herzlich als Micha – Der Brotbaecker

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4 Antworten zu Historische Plätze…

  1. Die Tradition muss bestehen bleiben.
    Liebe Gruesse

    Monika

  2. Träumerle Kerstin schreibt:

    Ein Bäcker muss natürlich eine Mühle besuchen 🙂 Ich finde solche Anlagen auch so schön alt, so urig, alles Handarbeit. Im Spreewald gibt es eine 3-fach-Mühle. Komm nicht auf den Ort, müsste ich suchen. Wart ihr da schon mal?
    Liebe Grüße von Kerstin.

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