Bewahrung historisch kultureller Vielfalt und Pflege von Traditionen…

…haben in der heutigen Zeit offenbar nur eine Chance, wenn sie in der Gemeinschaft  gelebt werden. Das war wohl auch die Überlegung einger Zeißiger Bürger, als sie sich 1997 entschlossen einen Kulturverein zu gründen. In der Veröffentlichung zur Bildung eines „Zeißiger Kulturvereins“ heißt es:

„…Ein künftiger Kulturverein will sowohl der Bewahrung und Pflege alter sorbischer Traditionen, z.B. von Oster-, Fastnachts-, Mai-, Kirmes- und Weihnachtsbräuchen, Trachten und Volkstanz, aber auch gegenwärtigen kulturellen Interessen wie Handarbeitstechniken, künstlerisch kreativen Gestalten, Fotografie, Kunst und Literatur, Musik und Malerei, Theater und Kabarett Rechnung tragen. Der Kulturverein will sich für Inhalte, aber auch für die materielle und organisatorische Absicherung der Vorhaben einsetzen. …“

Das scheint ja bisher sehr gut gelungen zu sein und ich wünsche schon an dieser Stelle meines Beitrages dem Verein auch weiterhin eine gedeihliche Entwicklung.

Nach einigen Anläufen, die durch andere Termine immer wieder zunichte gemacht wurden, gelang es mir heute endlich, dem Zeißighof einen Besuch abzustatten. Auch wenn ich mich gegen eine Schlachteplatte nicht gewehrt hätte, besonders angezogen hat mich der Backofen. Doch zunächst einen kurzen Einblick in den Zeißighof.

Der heute unter Denkmalschutz stehende Zeißighof in der Dorfaue 31 ist um 1870 erbaut worden.

Zur Geschichte des Hofes muss ich mich in nächster Zeit noch ein wenig schlau machen, denn in den bisher von mir auf die Schnelle gefundenen Dokumenten wird eher über die Werterhaltung und Sanierung seit 2001 berichtet.

Vor dem Zeißighof steht die 1960 geschaffene Plastik „LPG-Bauer“ des Hoyerswerdaer Bildhauers Jürgen von Woyski. Auch ein Stück erhaltenswerter Kultur. Doch schauen wir uns ein wenig im Inneren des Zeißighofes um. Auf wen sie wohl wartet? Oder ruht sie sich nur ein wenig von der schweren Arbeit aus?

Schließlich waren 12 und mehr Stunden täglicher Arbeit am Webstuhl kein Pappenstiel. Doch auch die Werkzeuge des Bauern waren nicht weniger martialisch anzusehen und ganz gewiss körperlich anstrengend.

Wenigstens die Schlafstätte machte auf mich einen gemütlichen Eindruck, und wenn die Liebste vom Sofa da auch noch Platz fand ………?

Die Stube im Ausgedinge.

Im Innenhof wurde zum Fest allerhand Kulinarisches geboten.

Feine Eierkuchen, aber auch, wie es sich zum Schlachtfest gehört, deftige Schlachteplatte und reichlich an Getränken. Nachdem ich diese Borte gesehen habe, zog es mich allerdings in die Backstube.

Beim Betreten der Backstube hat Bäcker Nico Thäle mit seinem Helfer den Ofen gerade für die zweite Partie der Steinofenbrote ausgehudelt.

Und dann wurde flott eingeschossen.

Bis zu 35 Brote passen in diesen Ofen.

Wow, die sind ja klasse aufgegangen! Was halt ein richtiger Bäcker ist!!! Da müssen wir auch gleich mal prüfen?

Der Boden klingt hohl, damit ist das Brot ordentlich abgebacken und kann raus.

Nun werden die Laibe noch von Nico Thäle und seinem Helfer mit der Banderole „Original Zeißiger Holzofen Brot“ versehen und gehen in den Verkauf.

Übringens, ich durfte hiervon eine Butterschnitte kosten – was sag ich: köstlich!!!

Natürlich habe auch ich mir ein solches Brot gekauft. Abgesehen davon, dass es wunderbar schmeckt, unterstützt der Erlös die Unterhaltung dieser wundervollen Kulturstätte. Ich wünsche dem Kulturverein Zeißighof e.V. weiterhin viel Erfolg und kann einen Besuch wärmstens empfehlen.

Einen schönen Sonntag wünscht Micha – Der Brotbaecker

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7 Antworten zu Bewahrung historisch kultureller Vielfalt und Pflege von Traditionen…

  1. Träumerle Kerstin schreibt:

    Ein Erlebnis ganz nach meinem Geschmack. Und ein Brotbaecker muss natürlich zu solch einer Anlage, wo so lecker Brot gebacken wird.
    Ein Webstuhl, das Tuch da schaut fast aus wie die großen Tücher zum Mangeln. Meine Mam hat übrigens den Beruf der Bandweberin gelernt, wir wollen schon immer mal nach Großröhrsdorf ins Museum.
    Liebe Grüße in den Feiertag von Kerstin.

  2. stellinger schreibt:

    Micha, ich bedanke mich bei Dir für diesen wirklich interessanten Bericht und die Fotos von einer nicht alltäglichen Versanstaltung!

    Liebe Grüße aus dem Norden
    Jürgen

  3. Brigitte schreibt:

    Hallo Micha,

    danke dir für deine Meldung. Ich hatte schon vermutet, dass das jemand ist, den ich gut kenne.

    Mit der Technik bezüglich deiner Frage kenne ich mich nicht gut genug aus, da käme sicher nichts Gescheites raus. Aber vielleicht weiß einer deiner Spezialisten besser Bescheid?

    LG, Brigitte

  4. M. schreibt:

    Was für ein schöner und vor allen Dingen interessanter Post! Leider, und ich sag das immer wieder, gibt es in unserer Ecke solche Kleinods nicht mehr, oder zumindest weiß ich davon nichts.Danke, danke, dass du uns immer wieder zum Hunger verführst 😉 und nebenbei auch noch viel Interessantes und Wissenswertes an uns weitergibst!

  5. Brigitte schreibt:

    Habe deinen lebendigen, humorvollen Bericht sehr gerne gelesen! Beeindruckt war ich natürlich vom Webstuhl, aber auch vom Steinbackofen und dem Erzeugnis daraus. Zeigt sich sehr lecker. Aber ich glaube auch, dass du dein Licht nicht unter den Scheffel stellen musst, deine Brote sehen auch immer zum Anbeißen aus!

    Dem Kulturverein wünsche ich, dass sie weiterhin mit dieser Sorgfalt und Liebe die alten Dinge weiterpflegen.

    LG, Brigitte

  6. minibares schreibt:

    Zumal es auch keinen Eintritt kostet. Da sollte schon jeder etwas verzehren oder eben auch kaufen.
    Ein superschöner Bericht über dieses Fest. Es ist schon wichtig, dass alte Techniken nicht vergessen werden. Der Webstuhl ist ja super! Das war gewiß eine harte Arbeit. Sowieso damals alles per Hand, das war echt anstrengend.
    Sooo viele Brote in einem Backofen, wow!
    Das schaut aber auch lecker aus. Hmmmmm.

  7. Mathilda schreibt:

    Was für klasse Fotos, da krieg ich doch glatt Hunger auf ein Brot, aber so leckeres habe ich nicht ;-(

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht Mathilda 🙂

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