Den langen Schatten…

…einer zeitlich verhältnismäßig kurzen Katastrophe müssen die Menschen im Norden Japans bereits seit einigen Wochen ertragen. Ein Ende, insbesondere bei den Schäden die durch die Atomstrahlung verursacht wurden und immer noch werden, ist lange nicht in Sicht. Ich wünsche den betroffenen Menschen viel Geduld und Kraft, um dieses Desaster zu überstehen. Ebenso wünsche ich ihnen weitsichtige Politiker, die aus dem offenbar verfehlten Setzen auf Atomkraft hoffentlich schnell die richtigen Schlussfolgerungen ziehen.

Schäden hatte es auch in Ostsachsen im vorigen Jahr entlang der Neiße gegeben. Ende März hatte ich Gelegenheit die immer noch deutlichen Folgen an einem kulturellen Kleinod, das bei einem Besuch Ostsachsens auf dem Plan nicht fehlen sollte, zu sehen.

Wenn man die Ortschaft Ostritz in Richtung Zittau bereits verlassen hat, gibt es nach einigen hundert Metern die Abfahrt zum Kloster Marienthal. Eingebettet in das Tal der Neiße sind die Dächer und Türmchen des Klosters bereits vom Besucherparkplatz deutlich zu erkennen.

Seit seiner Gründung im Jahre 1234 wird das Klosterstift St. Marienthal ununterbrochen betrieben und ist damit das älteste Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland. Der Eingang in die Klosteranlage erfolgt über zwei große Tore.

Wenn man das zweite Tor passiert hat, wird man rechterhand vom Denkmal an den polnischen Papst Karol Jozef Wojtyla begrüßt. Gestiftet wurde das Mal im Jahr 2008 von einem Bürger aus Osnabrück. Dr. E. H. Fritz Brickwedde wollte damit einen Beitrag zur Vertiefung der Freundschaft zwischen Deutschland und Polen in einem christlich geprägten Europa leisten.

Unmittelbar hinter dem Sägewerk, das sich auf dem Klostergelände befindet und heute Museum ist, fließt die Neiße. Bei sonnigem Wetter, wie hier sehr idyllisch und schön. Schaut man genauer hin, sieht man links im Hintergrund (hier verläuft die Grenze und das gegenüberliegende Ufer ist bereits polnisches Staatsgebiet) noch heute in den Bäumen festhängenden Müll von der letzten Flut. Unvorstellbar wie hoch die Fluten gewesen sind.

Auf dem Weg zur Kirche (die ebenfalls vom Wasser geschädigt ist und geschlossen war) sind an einem Gebäude des Klosters Hochwassermarken gesetzt. Während die schwarze Tafel das bis dahin höchste Hochwasser vor mehreren Jahrzehnten (genaue Zahl war konnte ich nicht entziffern) markiert, zeigt die weiße Marke den Stand des Augusthoch-wassers 2010.

Diese Luftaufnahme der Sächsischen Zeitung zeigt das gesamte Ausmaß, der Überflutung. Das kleine Gebäude direkt am Flussbett ist das Sägewerk, in dem Gebäude links davon sind die Rezeption und der Klosterladen untergebracht.

Heute ist das Mauerwerk bis zur Höhe des Hochwasserstandes zum Trocknen vom Putz befreit. Der Klostermarkt, in dem es neben toller Literatur, Andenken usw. auch leckere Backwaren von der Klosterbäckerei gibt, war völlig abgesoffen.

Jahrhunderte altes Mauerwerk, vor wenigen Jahren aufwendig saniert, ist nun wiedereinmal durchs Wasser geschädigt. Viel Arbeit ist noch vonnöten, bis der vor der Flut erreichte Sanierungsstand wieder erreicht wird. Bleibt nur zu wünschen, dass das Geld dafür ausreicht.

Wenn dann alles geschafft ist und/oder wenn man von dem Rundgang schwach geworden ist, kann man in der Klosterschenke ausruhen und sich ein wenig stärken.

Eine schöne Woche wünscht Micha – Der Brotbaecker

Dieser Beitrag wurde unter Was dem Brotbaecker noch gefällt... veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Den langen Schatten…

  1. Soni schreibt:

    Wasser hat eine unglaubliche Macht und richtet so viel Schaden an. Das Kloster ist wunderschön, sowas muss unbedingt erhalten werden.

    LG Soni

  2. stellinger schreibt:

    Der Osten Deutschlands wird relativ oft von Überschwemmungen heimgesucht, wobei wertvollen Kulturgut in Mitleidenschaft gezogen wird. Ich kann mich an das Hochwasser im Jahre 2002 erinnern. Große Teile des Zwingers in Dresden standen damals unter Wasser.

    Die Klostersche (ä)nke mit den Tischen und Bänken davor sind wahrlich einladend aus.

    Es grüßt Dich aus HH
    Jürgen

  3. Brigitte schreibt:

    Ein sehr interessanter Bericht! Mit einem überaus passenden Titel!

    LG, Brigitte

  4. Träumerle Kerstin schreibt:

    Lieber Micha, einen sehr schönen Beitrag hast Du gebastelt. Ich kenne das Kloster persönlich noch nicht, war bisher nur in Panschwitz.
    Ich bin mir sicher, dass die Arbeiten mit viel Mühe und Liebe absolviert werden. So ein Kleinod muss wieder in alter Pracht strahlen.
    Die Luftaufnahme mag man kaum glauben, aber vielerorts sah es damals genauso aus.
    Ich wünsche Dir eine sonnige kurze Arbeitswoche – schmerzfrei hoffentlich.
    Liebe Grüße von Kerstin.

  5. esmee schreibt:

    Hallo Micha
    Es ist wirklich bestürzend wie oft man Dinge für die Katz macht, wie man so schön sagt. Es ist aber auch gut, dass es immer wieder Menschen gibt, welche sich von diesen Schrecken nicht beeindrucken lassen und wieder anpacken. Man kann nur hoffen, dass es ihnen gelingt alles wieder in trockene Tücher zu bringen. Sehr schöne Bilder hast Du da wieder gemacht.
    LG esmee

Kommentar verfassen (vorher Datenschutzerklärung beachten!)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.